Interview mit Professor Jürgen Gießing, Universität Landau, über schnellen Muskelaufbau
Professor Jürgen Gießing hat ein Trainingskonzept weiterentwickelt, das Muskelzuwachs in kurzer Zeit bei geringem Trainingsaufwand verspricht. Schneller Muskelzuwachs ohne Doping, dieses erstaunliche Ergebnis seiner Forschungsstudie macht Professor Gießing, selbst Kraft- und Ausdauersportler, zu einem gefragten Mann und zwar nicht nur in Fachkreisen der Sportwissenschaft. Bevor seine Forschungsergebnisse als Buch erscheinen, erläutert der junge Professor sein Trainingskonzept im Fitness.com Interview.
fitness.com: Wie sind Sie zu Ihren Ergebnissen gekommen – das weniger Training mehr Muskeln macht?
Professor Gießing: Bei unserer Untersuchung haben die Probanden, Sportstudenten, nur einmal in der Woche an Geräten trainiert. Die Probanden waren in drei Teilgruppen eingeteilt. Eine Gruppe hat Hochintensitätstraining (HIT) betrieben, die zweite Gruppe hat Dreisatztraining gemacht, eine dritte Gruppe, die Kontrollgruppe, hat gar nicht trainiert. Der Trainingsunterschied zwischen den beiden ersten Gruppen, die eine Art Zirkeltraining absolviert haben, war folgender: Die HIT-Probanden haben nur eine Runde, einen Satz, durchgeführt, dafür aber sehr intensiv. Das heißt, sie haben an jedem Gerät nur einmal trainiert, aber die Übungen bis zu einem Punkt wiederholt, an dem nichts mehr ging. Die zweite Gruppe hat jede Übung im Zirkel drei Mal durchlaufen. Vor Untersuchungsbeginn sowie nach zwölf Wochen, in denen die Probanden jeweils einmal trainiert hatten, wurde die Körperzusammensetzung gemessen und ein Krafttest gemacht. Wir waren uns nicht sicher, ob innerhalb dieses Zeitraums überhaupt Muskeln aufgebaut werden. Es hat sich aber gezeigt, dass in der HIT-Gruppe mehr Leute Muskeln aufgebaut hatten als in der Dreisatzgruppe. Durchschnittlich konnten wir bei den Probanden der HIT-Gruppe auch mehr Muskelzuwachs feststellen als in der Dreisatzgruppe.
fitness.com: Wie erklärt sich der verstärkte Muskelaufbau durch Ihr Trainingskonzept?
Prof. Gießing: Wir erklären uns das folgendermaßen: Wenn man nur einmal pro Woche trainiert, muss die Trainingseinheit eine gewisse Intensität haben, damit es überhaupt zu Muskelzuwachs kommt. Die Ergebnisse entsprechen dem Modell der Superkompensation. Man schwächt den Körper im Training, und in der anschließenden Regenerationsphase baut sich der Körper nicht mehr nur bis zum Ausgangsniveau auf, sondern ein Stück darüber hinaus.
fitness.com: Wie würde eine Trainingseinheit nach Ihrem Konzept aussehen?
Prof. Gießing: Zunächst einmal wärmt man sich durch circa zehnminütiges Strampeln auf dem Fahrrad-Ergometer auf. Anschließend würde man für alle große Muskelgruppen des Körpers zum lokalen Aufwärmen eine leichte Übung absolvieren: Einen leichten Satz Bankdrücken, einen leichten Satz Rudern, einen leichten Satz Beinpressen. Dann würde man einen Zirkel aus ungefähr zehn Übungen absolvieren, bei dem jede große Muskelgruppe trainiert wird. Von jeder Übung gibt es nur einen Durchgang, aber so viele Wiederholungen wie der Trainierende schafft. Dabei sollte das Pensum zwischen zehn und zwanzig Wiederholungen liegen, und es ist wichtig, dass wenn man zwanzig schaffen würde, nicht nach neunzehn aufhört, sondern weitermacht.
fitness.com: Gibt es gesundheitliche Risiken?
Prof. Gießing: Zunächst einmal sollte man sich – wie vor jeder sportlichen Betätigung – ärztlich auf seine Sporttauglichkeit untersuchen lassen. Insbesondere Menschen, die unter hohem Blutdruck leiden, sollten vorher ihren Arzt konsultieren.
fitness.com: Für welche Zielgruppe eignet sich das Konzept?
Prof. Gießing: In den ersten Wochen sollte man es langsam angehen lassen, vor allem, wenn man sich schon lange nicht mehr sportlich betätigt hat. Ganz allgemein richtet sich die Methode an all jene, die beim Sport gern bereit sind, ihr Bestes zu geben, aber aus Zeitgründen nur ein- bis zweimal wöchentlich trainieren können. fitness.com: Was macht ihr Trainingskonzept aus, und was ist das Neue daran? Professor Gießing: Die Methode nennt sich Hochintensitätstraining (HIT), was bedeutet, dass das Training nicht so häufig, dafür aber umso intensiver durchgeführt wird. Man trainiert also nicht mehrere Stunden täglich, sondern ein- bis zweimal in der Woche kurz, aber heftig. Die Trainingsmethode an sich gibt es schon lange. Die ersten Bodybuilder haben in den Siebzigerjahren ähnlich trainiert. Das Neue daran ist: Wir sind bei unseren Untersuchungen auf die Tatsache gestoßen, dass sich die Methode auch für fitnessorientierte Freizeitsportler eignet.
fitness.com: Stichwort Bodybuilder: Hat auch Arnold Schwarzenegger lieber kurz und intensiv trainiert, als sich jeden Tag stundenlang an Geräten zu quälen?
Prof. Gießing: Arnold Schwarzenegger hat Volumentraining gemacht. Er hat also morgens und abends jeweils zwei Stunden trainiert. Das HIT hat er zwar ausprobiert, es hat ihm aber nicht gefallen. Ich glaube, dass dies der Grund ist, warum das HIT jahrelang in der Versenkung verschwunden war: Der Vorreiter Schwarzenegger hat ganz anders trainiert.
Fitness.com: Wir danken für das Gespräch und freuen uns auf weitere Gespräche über HIT -- Hochintensitätstraining in unserem fitness.com
Quelle : fitness.com
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